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RAF-Vortrag auf AStA-Kosten

Am Montag hat das StuPa die Finanzierung einer Buchvorstellung der Autobiographie Lutz Taufers durch den AStA bewilligt.

Taufer ist ehemaliger Terrorist der Rote Armee Fraktion (RAF), der für zwei bei der Besetzung der Stockholmer Botschaft verübte Morde, darunter eine besonders grausamen Hinrichtung, verurteilt wurde. Er hat sich nie entschuldigt. Seine Verurteilung der terroristischen Gewalt ist sehr eingeschränkt. Seine Weltanschauung bleibt offenbar unserem Staats- und Wirtschaftssystem gegenüber feindlich. Heute ist er Entwicklungshelfer – nach eigener Aussage (zumindest auch) aus dem Motiv dieser Feindlichkeit.

Jetzt möchte eine Hochschulgruppe diesem Mann ermöglichen, seine Version der RAF-Geschichte und seine scheinbare Läuterungserzählung, ja seine ganze Weltsicht im Rahmen einer Lesung der Autobiographie unter die Bonner Studenten zu bringen. Und der AStA hat ihnen mit den Stimmen der Koalition das Geld dafür gegeben. Es ging hierbei um einen 330€-Posten des Gesamtplans für die Förderung studentischer Kulturgruppen und Initiativen in Höhe von ca. 16.300€.

„Sowas darf nicht passieren! Obwohl ich mir als Historiker mir ein kritisches Zeitzeugengespräch mit einem fachlichen Experten vorstellen kann, sollte für Taufers Selbstdarstellung kein Cent der Semesterbeiträge unserer Kommilitonen ausgegeben werden“, sagt unser stellvertretender Vorsitzender kurz nach der Debatte. Aber gestern haben Fraktionen, die Anfang des Jahres die Podiumsdiskussion eines fundamentalistischen Muslims mit mehreren (!) Experten vehement verurteilten, weil man Extremisten keine Bühne geben wollte, behaupte, der geneigte Zuhörer könne allein durch seinen kritischen Geist jede Behauptung Taufers einordnen – ohne jeden wissenschaftlichen Kontext.

Die Zustimmung zu diesen Finanzmitteln konnte kein einziger Oppositioneller mit seinem Gewissen vereinbaren. Deshalb haben wir mehrfach versucht, den Taufer-Vortrag von den restlichen Kulturgeldern abzutrennen und so unsere Zustimmung zu vielen guten Anträgen zu ermöglichen. Aber die Koalition will die Semesterbeiträge möglichst mit der Gießkanne und ohne viel Bedacht ausgeben und hat all unsere Anträge geschlossen abschmettert. Hier hat der AStA über 16.000€ für studentische Initiativen wegen eines 330€-Postens gefährdet. Dass die Koalition die Mittel dennoch durchgedrückt hat, freut uns ausdrücklich für die Gruppen, die einen wichtigen Beitrag für die Bonner Studentenschaft leisten. Aber die Finanzierung des Taufer-Vortrags ist ein Skandal!

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RCDS NRW
Dieser Blog wird durch die Geschنftsführerin des RCDS NRW, Sina Kemper, betreut.

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