Anwesenheitspflicht

Das Verbot, Studenten wegen Abwesenheit in Seminaren durchfallen zu lassen, wird landesweit gelockert werden. Wir wollen in den Fakultätsräten dafür sorgen, dass die Anwesenheit nicht zur Leistung wird und dass kein Student dazu gezwungen wird, eine Lehrveranstaltung zu besuchen, deren Inhalt er sich auch selbstständig anlesen kann. Das würde Studenten, die ihr Studium durch Jobs finanzieren, die Eltern sind, die wegen der Wohnungsnot pendeln müssen oder aus körperlichen oder anderen Einschränkungen heraus nicht an jedem Seminar teilnehmen können, benachteiligen. Auch Leistungsträger, die sich in wichtigen Ehrenämtern engagieren oder mehrere Vollzeitstudien gleichzeitig absolvieren, werden durch die Möglichkeiten zum autodidaktischen Wissenserwerb unterstützt oder ihre Leistung wird dadurch erst ermöglicht.

An Seminaren, deren Kernbestandteil der wissenschaftliche Diskurs ist (der nunmal von persönlichem Austausch lebt) oder z.B. die Methodik in praktischer Anwendung beibringen, kann man mitunter nicht ohne Anwesenheit angemessen teilnehmen. Wenn die Studienleistung aus „aktiver Partizipation“ besteht, kann man die wohl nicht in Abwesenheit erbringen – und ohne Leistung auch keine Leistungspunkte erwerben. Das heißt nicht, dass alle Anwesenden automatisch das Ziel des Seminars erreichen, sondern nur, dass es den Abwesenden unmöglich ist. Das heißt: Wer zu oft fehlt, kann nicht bestehen, aber wer immer da ist, muss mehr tun, als den Stuhl warmzuhalten.

Wir müssen also darauf achten, dass…

  1.  Anwesenheit nicht zur Leistung wird.
  2. Anwesenheit nur da gefordert wird, wo sie Grundvoraussetzung für zentrale Leistungen ist.

Der RCDS steht als einzige Gruppe für dieses differenzierte Bild und gesteht ein, dass Anwesenheitskontrolle gerechter sein kann – und dass sie kommen wird.